Bass und Baustelle

„Na der traut sich was“, kommentiert meine Mutter das Geräusch des Hochdruckreinigers, den der Nachbar benutzt, um etwas in seinem Garten zu reinigen. Sie bezieht sich dabei auf seinen Wagemut, an einem Sonntag Nachmittag Lärm zu machen, der über die Grenzen des eigenen Territoritums deutlich hörbar ist (ich bin mittlerweile wieder in Österreich).

Am 19. Juni dieses Jahres in Trinidad: Es ist ein Feiertag (Labour Day), ungefähr 9 Uhr morgens. Ich liege noch im Bett, weil wir am Vortag auf einer Party waren. Von Schlafen kann jedoch keine Rede mehr sein, denn das Wohnhaus gegenüber ist derzeit eine Baustelle und die fleißigen Bauarbeiter arbeiten sogar an einem Feiertag mit Bohrmaschine und Kreissäge, so dass es mich fast aus dem Bett haut. Ich bin nur froh, dass ich keinen Kater habe und mich somit keine Kopfschmerzen quälen.

Zurück in die Gegenwart. Ein Auto fährt an unserem Haus vorbei. Es spielt Musik in einer Lautstärke, die von unserem Standort aus trotz der Distanz noch sehr gut hörbar ist, allerdings noch lange nicht in den Ohren wehtut. Meine Mum kommentiert etwas empört: „Sowas gibt es bei uns normalerweise nicht“. Die Musik verstummt nach einer Minute.

Wieder zurück nach Trinidad, am 19.6.2018: Ich habe mich so langsam an die Baustellengeräusche am Morgen eines Feiertages gewöhnt, als plötzlich die Hauswände anfangen zu beben. Grund dafür ist der starke Bass des Nachbarn, der gerade seine Musikanlage in voller Lautstärke eingeschaltet hat. Ich komme mir vor, als würde ich mitten im Club stehen, wobei die Musikauswahl dieses Gefühl noch verstärkt.

Ja, fixe Ruhezeiten an die sicher jeder hält, sind in Trinidad nicht unbedingt die Regel. Musik wird gerne überall und zu jeder Zeit, oft in voller Lautstärke, gehört. Ein besonders beliebter Ort für eine laute Anlage ist dabei das Auto. Kein Wunder, ist ja praktisch, man kann seine Musik fast überall mithinnehmen. Gerne wird dann auch ab und zu bewiesen, dass man die lauteste Anlage mit dem besten Bass hat indem man sich in die Nähe eines anderen Partyautos begibt und versucht dessen Anlage mit seiner eigenen zu übertönen. Dann hat man den direkten Vergleich, es kann aber auch zu Hörverwirrungen kommen.

Ja, wenn man einen Aufenthalt in Trinidad plant, sollte man sich auf jeden Fall mit lauter Musik ab und zu anfreunden können 🙂 Ich für meinen Teil mag die gespielten Lieder meistens und genieße die Lebhaftigkeit, die die laute Musik den Straßen (und fast jedem anderen Ort) verleiht. Auch wenn es in manchen Situationen einfach zu viel und zu laut ist. Trinidadians lieben Musik, und natürlich lieben sie es auch zu tanzen, am liebsten zu Soca. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. ☺

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